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| Installation. ©: R. Hazoumés |
Vorgestellt von: Katharina Scholl
Der Afrikaner Romuald Hazoumés wurde 1962 in Benin geboren. Er lebt und arbeitet in Porto-Novo (Benin) und erhielt 1998 den Besucherpreis der 7. Triennale für Kleinplasik in Stuttgart und 2007 den Arnold Bode Preis bei der documenta 12 in Kassel. Im vergangenen Monat waren einige seiner Werke im Nassauischen Kunstverein e. V. in Wiesbaden bei der Ausstellung „Wer setzt auf 47?“ zu sehen.
Im Rahmen dieser Ausstellung sind Werke von Künstlerinnen und Künstlern gezeigt worden, die in diesem und in den vergangenen Jahren den George-Macunias-Preis für ihr künstlerisches Schaffen erhalten haben. Romuald Hazoumés selbst wurde im Jahr 1996 mit dem Preis ausgezeichnet und zeigt in der Ausstellung eine Auswahl kleiner Installationen, die mir und ich denke auch vielen anderen Besuchern des Kunstvereins ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert haben.
Betritt der Besucher den 2. Stock des Gebäudes, fällt der Blick sofort auf eine Wand, von der aus ihn viele verschiedene Gesichter anlachen, einige clownsgleich und andere wiederum eher fratzenhaft. Der ganz eigene Charme und Witz, den die Gesichter, von denen man in der Wiesbadener Wilhemstraße angelacht wird, versprühen, verstärkt sich noch, wenn der Betrachter näher herangeht. Denn schnell stellt man fest, dass es Alltagsgegenstände sind, die von dem Künstler verarbeitet und im wahrsten Sinne des Wortes verwandelt wurden. Das rosige runde Gesicht der ersten Maske entpuppt sich als altes Plastiksieb aus dem Kindersandkasten, dem eine abgenutzte Geschirrbürste als Haarschopf dient und ein Stück altes braunes Plastik verleiht dem rosigen runden Gesicht einen Mund, durch den es einen frech angrinst.
Ein Stück weiter wird der Betrachter von dem langen Gesicht eines gebrauchten Toasters angeblickt und auch ein Handstaubsauger erhält durch die Verwandlungsarbeit des Künstlers ein unverwechselbares Gesicht. Zahlreiche Ölflaschen blicken geradezu staunend in den Raum und ihre kugelrunden Mundöffnungen ragen dem Betrachter entgegen als wollten sie sagen: Was bist du denn für eine merkwürdige Gestalt? Es ist dieser stille Glanz des Einfachen, der an den Werken von Romuald Hazoumés tief beeindruckt. Seine Werke zu betrachten hat mich sehr an das Spielen von Kindern erinnert, die ebenfalls die Gabe haben die einfachsten Gegenstände des Alltags so zu inszenieren, dass aus ihnen etwas Neues, Interessantes und Spannendes entsteht. Der Künstler hat es geschafft sich selbst einen Teil dieser kindlichen Phantasie und dieses grenzenlosen Spiels zu erhalten und vermag es durch seine Arbeiten dies auch beim Betrachter zu wecken.
Das Material, welches der Künstler in seinen Werken verwendet, ist Weggeworfenes und Ausrangiertes. Romuald Hazoumés versteht sich selbst in der Tradition wandernder Seher, die sich von der Suche nach Wahrheit nicht abbringen lassen und die Gegenstände, die er verarbeitet sind solche, die von Europa in seine Heimat Afrika verschickt worden sind oder die er bei einer seiner Touren durch das Land von Kraftstoffverkäufern bekam. Hat er genug Material zusammen, fertigt er einen Entwurf an und das Ergebnis betrachtet er als gelungen, wenn er „die Menschen, die oft traurig sind, fröhlich macht“. Dieser Anspruch, der zunächst so banal erscheint, entfaltet beim Betrachten seiner Arbeiten eine ganz eigentümliche Stärke und Tiefe. Das Ausrangierte, der Müll, verwandelt sich plötzlich in etwas, was seinem Betrachter eines der kostbarsten Dinge schenken kann, die es in der Welt gibt: ein Lächeln, einen kurzen Moment der Freude. Das ist alles andere als banal. Es ist einfach, aber eben diese tiefe Einfachheit ist es, durch die die Werke von Romuald Hazoumés so sehr bewegen und wer einmal schmunzelnd vor seinen Masken stand, wird zumindest eine von ihnen gedanklich mitnehmen.
Links:
R. Hazoumés auf Wikipedia. Mehr
R. Hazoumès auf der Documenta 12. Flüchtlingsboot aus Benzinkanistern